UBoot geht zu den Piraten


Online- und Offline-Deutsche
6. August 2009, 14:02
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Es gibt ihn, den Graben zwischen Onlinern und Offlinern; keiner hat ihn prägnanter dargestellt als Gerhard Himmelein in seinem c’t-Editorial. Solange die beiden Gruppen nicht auf die gleichen Informationsquellen zugreifen können, wird dieser Graben bestehen bleiben.

Ich habe mit »Normalbürgern« gesprochen, Verwandten, Bekannten und Freunden. Sie lesen täglich mehrere Zeitungen und sehen die Fernsehnachrichten. Sie engagieren sich sozial und gelten als verlässlich und freundlich. Einen Internetanschluss besitzen sie für den Mailverkehr, benutzen den Internet Exploder und haben seit dem letzten Virusbefall eine Firewall, nach der gelegentlich der Nachbarssohn schaut. Nette Leute. Und dann, im Gespräch über das, was gerade so im Land los ist:

»Es ist doch gut, dass jetzt endlich etwas geschieht gegen die Cyber-Kriminalität.«

Was soll man da sagen?

Vorsichtige Frage meinerseits: Ja, was wird denn getan?

»Nun, es werden Kinderpornoseiten verboten.«

Verboten sind die doch sowieso — Herstellung, Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie stehen längst unter Strafe.

»Ja, aber durch die Sperren kann jetzt niemand mehr zufällig darüber stolpern, Kinder zum Beispiel.«

Seid ihr denn jemals über Kinderpornos im Netz gestolpert?

Kurzes Schweigen, dann: »Nein, eigentlich nicht.«

Dann kommt die ganze »Ja, aber-Argumentation«: Ja, aber die Produktion von Kinderpornografie nimmt immer weiter zu. Die Gewalt unter Jugendlichen wird immer schlimmer. Jugendliche werden spielsüchtig und kriegen ihr Leben nicht mehr auf die Reihe. Die Kriminalität hat im Internet doch unbegrenzte Möglichkeiten.

Und da helfen Verbote? Stoppschilder?

»Ja, was soll man denn sonst tun?«

Aha. Da haben wir’s: Hinter der ganzen Kinderporno- und Internetsperren-Debatte steht nichts als Angst. Die Offline-Menschen haben Angst vor dem unberechenbaren neuen Medium, Angst vor den Einflüssen »des Internets«, Angst vor der neuen Generation, die damit aufwächst. Sie stehen hilflos vor all den neuen Problemen, die plötzlich durch die Medien gehen.

Und dann kommt eine Frau von der Leyen und sagt: Wir tun was. Wir sperren weg, was euch angst macht. Wir bringen das alles wieder in Ordnung! Damit hat sie die Unterstützung der »Normalbürger«, die sich nichts mehr wünschen als das.

Das ist ganz, ganz billiger Wahlkampf: Irrationale Ängste schüren, indem man wesentliche Informationen unterschlägt, andere aufbauscht und gerne auch mal die Wahrheit in die genehme Richtung beugt. Fertig ist das Feindbild.

Dann eine plakative Maßnahme ankündigen, Symbole in genügend Kameras halten, ein paar markige Parolen dazu, und fertig ist die einfache Lösung.

Am liebsten würde ich meine Verwandten, Bekannten, Freunde schütteln: Leute, lasst euch doch nicht für dumm verkaufen! Geht ins Netz, informiert euch umfassend, schaut, was auf dem Spiel steht — und dann überlegt, ob ihr dieses Vorgehen immer noch billigt.

Ich habe meinen »Normalbürgern« ans Herz gelegt, sich das Parteiprogramm der Piraten anzuschauen. Ich hoffe, sie tun’s. Auch wenn es nicht ganz leicht ist, offline dranzukommen.

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